German Correspondence
Carl
Schurz
(1829 -
1906)
Edited by Eugene R.
Moutoux
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After participating in the ill-fated German
revolution of 1848, and following a daring rescue of a friend from
political imprisonment, Carl Schurz made his way via France and England
to the United States, where he soon became a prominent figure. In 1861
President Lincoln sent him as minister to Spain. A staunch opponent of
slavery, Schurz returned to America the following year and served as a
brigadier general in the Civil War. After a brief tenure as editor of
the influential German-language newspaper Die
westliche Post of St. Louis, Schurz
represented the state of Missouri in the United States Senate from 1869
to 1875. In 1877 President Hayes appointed him Secretary of the
Interior, in which capacity he fought for fair treatment of the Indians.
Schurz assumed editorship of the New York Evening Post
in 1881, a position he held for two years. From 1892 to 1898 he was
chief editorial writer for Harper’s Weekly.
In the winter of 1867-68, just before his election to the Senate,
Schurz traveled in Germany. In the following letter he writes about his
meetings with one of the most powerful political and military figures of
nineteenth-century Europe, Otto von Bismarck. At the time of Schurz’s
visit, Bismarck was Prime Minister of Prussia; in 1871 he became
Chancellor of the Second German Empire.
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| anderthalb
- one and a half
angeben (i; a, e) - state
aussprechen (i; a, o) - express
r Bekannte (-n, -n) - acquaintance
beschäftigt - busy; employed
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r
Blick (-e) - look
hervorragend - prominent
e Maschine (-n) - machine
e Stunde (-n) - hour; lesson
e Unterhaltung (-en) - conversation
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verabschieden
(reg.) - dismiss
verlassen (ä; ie, a) - leave; abandon
zusammentreffen (i; traf, o) - meet; coincide
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| Carl
Schurz
An Heinrich Meyer
Wiesbaden, 3. Februar 1868
Lieber Heinrich
(...) Mein Aufenthalt in Berlin war ein sehr
angeregter. Ich lernte natürlich eine Menge hervorragender
Leute kennen und fand mehrere alte Bekannte in der Kammer. Kaum
hatte uns Adolf verlassen, als ich von einem in dem Ministerium
des Auswärtigen beschäftigten Legationsrate einen Brief bekam,
in welchem ich benachrichtigt wurde, Bismarck habe den Wunsch
ausgesprochen, mich zu sehen; wenn ich es auch wünsche, so
solle ich es ihn wissen lassen. Ich tat das natürlich, und
Bismarck gab eine Stunde am nächsten Abend an. Ich ging hin und
hatte eine anderthalbstündige Unterhaltung mit ihm. Er lud mich
zum Diner am anderen Tage ein, wo ich mit einigen Dutzend
besternter und bekreuzter Geheim-, Gerichts- and anderer Räte
zusammentraf. Nach dem Diner verabschiedete Bismarck die
Gesellschaft, hielt mich allein zurück, und wir saßen beinahe
zwei Stunden zusammen. Freitag abend sah ich ihn wieder. Du
kannst Dir denken, wie mir das interessant gewesen ist. In
wenigen Stunden habe ich einen tieferen Blick in das Arbeiten
der Regierungsmaschine tun können, als mir das sonst durch
langes Studium möglich geworden wäre.
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angeregt : lively
/ Kammer: Parliament
/ Ministerium des Auswärtigen: Department of Foreign
Affairs / Legationsrat: counselor to a legation / benachrichtigen:
inform / anderthalbstündig: 1 1/2 -hour (adj.) / Diner:
(Fr.) dinner / am anderen Tag:
on the next day / besternt und gekreuzt: decorated
/ Geheimrat: member of the privy council / Gerichtsrat:
member of the judicial council / Räte: counselors
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| allerlei
- all kinds of things
außergewöhnlich - extraordinary
despotisch - despotic
e Eigenschaft (-en) - quality, characteristic
eingehen (i, a) auf (acc.) - go into,
discuss
e Einzelheit (-en)
- detail
fließen (o, -ossen) - flow
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hauptsächlich -
primary (-ily)
r Kontakt (-e) - contact
r Kopf (¨-e) - head
s Motiv (-e) - motive, reason
e Lippe (-n) - lip
e Neigung (-en) - inclination
e Politik -
politics
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e Schwäche
(-n) - weakness
r Staatsmann (¨-er) - statesman
stundenlang - for hours
überlegen (adj.) - superior
s Verhältnis (-sse) - relationship
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| Bismarck
ist, was immer seine üblen Eigenschaften sein mögen,
jedenfalls ein außerordentlicher Mensch. Ich habe schon viele
Staatsmänner gesehen, aber keinen, der mit so vollkommener
Ungebundenheit sich über alle Dinge ausspricht. Tatsachen, die
noch gar nicht oder doch nur wenig bekannt sind, die
kompromittierendsten Aufschlüsse über Motive und Politik,
selbst sein Verhältnis zum Könige und seine Meinung von dem
"alten Herr", alles das fließt ihm so frei von den
Lippen, als ob er zu einem Vertrauten spräche, dem selbst die
Folterbank das Geheimnis nicht abpressen könnte. Ich glaube, es
gibt kaum eine wichtige Frage der auswärtigen und inneren
Politik, über die wir nicht konversiert hätten,—und über
alles ließ er sich mit derselben Freiheit aus. Auf Einzelheiten
kann ich natürlich nicht eingehen. Ich könnte dir stundenlang
davon erzählen, und es würde Dich überzeugen, daß man hier
mit einem außergewöhnlichen Kopf zu tun hat, der die Menschen
und die Verhältnisse, besonders die Deutschen und ihre Schwächen
und Untugenden, gründlich kennt und dessen despotische
Neigungen hauptsächlich dadurch bestärkt werden, daß er allen
denen weit überlegen ist, mit denen er in Kontakt commit. Ich
werde Dir darüber allerlei sagen, wenn wir uns erst sehen. |
Ungebundenheit :
liberty / sich aussprechen: speak one's mind / kompromittierendste: most compromising / Aufschlüsse:
disclosures / der "alte
Herr": i.e., King (later, Emperor) Wilhelm I / ein
Vertrauter: a confidant / Folterbank: torture rack
/ abpressen: force out / auswärtig:
foreign
/ sich auslassen über: express one's opinion(s) about
/ mit ... zu tun haben: be dealing with
/ Untugenden: vices
/ bestärken: strengthen
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| allmählich
- gradual(ly)
sich amüsieren (reg.) - enjoy oneself
bekannt machen - introduce
beständig - constant(ly)
entlassen (ä; ie, a) - dismiss
erscheinen (ie, ie) - appear
flüstern (reg.) - whisper
gleich darauf - right after that
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r
Kaffee - coffee
komisch - comical; strange
r Kreis (-e) - circle
sich niedersetzen (reg.) - sit down
e Perücke (-n) - wig
rauchen (reg.) - smoke
reichen (reg.) - hand; reach
schließlich - finally; after all
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e
Situation (-en) - situation
spaßig - funny
staunen (reg.) - be amazed
träumen (reg.) - dream
sich versammeln (reg.) - assemble
e Zigarre (-n) - cigar
e Zukunft - future
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| Nichts
hätte komischer sein können als mein Erscheinen in der
ministeriellen Tischgesellschaft. Natürlich kannte mich und
kannte ich anfangs niemanden. Endlich, als wir uns eben
niedersetzen wollten, machte mich Bismarck mit einigen bekannt.
Nun ging das Geflüster am Tisch herum, und das Staunen schien
groß zu sein. Allmählich wurden die alten und jungen Perücken
zutraulicher, und wir amüsierten uns ganz gut. Als wir uns
schließlich im Salon versammelten und Kaffee und Zigarren
gereicht wurden, hatte ich schon beständig einen Kreis um mich
herum. Bismarck selbst schien von dem Komischen der Situation
frappiert zu sein; als er die anderen entlassen hatte und wir
allein waren, sagte er: "Es ist doch wirklich spaßig, daß
wir hier so ruhig zusammensitzen und Zigarren rauchen. Das hätte
sich keiner von uns vor fünfzig Jahren träumen lassen."
Und gleich darauf setzte er mir seine Zukunftspolitik
auseinander. (...) |
ministerielle Tischgesellschaft:
ministerial dinner gathering / Natürlich ... niemanden:
(grammatically, the first kannte is without a subject)
/ Perücken: (here)
fellows / zutraulicher:
more trusting / Salon:
parlor / frappiert: surprised
/ auseinandersetzen: explain
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| A.
Answer in German.
1. Von wem erhielt Carl Schurz Nachricht, Bismarck wolle mit ihm
sprechen?
2. Wie lange dauerte die erste Unterhaltung mit Bismarck?
3. Wozu wurde Schurz dann eingeladen?
4. Waren auch andere Gäste beim Diner anwesend?
5. Wen hielt Bismarck nach dem Diner zurück?
6. Wie lange haben die beiden Männer dann noch mit einander
gesprochen?
7. Warum war Schurz mit diesen Gesprächen sehr zufrieden?
8. Inwiefern hat sich Bismarck von anderen Staatsmännern
unterschieden, die Schurz schon gesehen hatte?
9. Worüber haben sich die beiden unterhalten?
10. Was schreibt Schurz über Bismarcks Kenntnisse der Deutschen?
11. Wodurch wurden Bismarcks despotische Tendenzen bestärkt?
12. Warum wurde am Tisch geflüstert, als Carl Schurz die
Bekanntschaft mit einigen Gästen gemacht hatte?
13. Wie entwickelte sich die Situation später im Salon?
14. Was hätte vor fünfzehn Jahren weder Bismarck noch Schurz sich
vorstellen können?
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| B.
Relative pronouns: Fill in the blanks as context dictates. Translate the
sentences.
1. Bei seinem Aufenthalt in Berlin sprach Carl Schurz mit einigen
Leuten, ______ er noch nie gesehen hatte, und
mit anderen, ______ alte Bekannte waren.
2. Von einem Legationsrate, ______ in dem Ministerium des Auswärtigen
angestellt war, bekam Schurz einen Brief, ______ die Nachricht enthielt,
Bismarck wolle ihn sehen.
3. Die Unterhaltung mit Bismarck, ______ am nächsten Abend stattfand,
dauerte anderthalb Stunden.
4. Für den folgenden Tag lud Bismarck seinen Gast zu einem Diner ein,
zu ______ auch andere Leute kamen, von ______ Schurz anfangs nicht
einmal einen kannte.
5. Nachher sprach Bismarck fast zwei Stunden mit Carl Schurz, ______
er dabei sehr viel von der deutschen Politik erzählte.
6. Schurz bekam dadurch einen sehr tiefen blick in die damalige
deutsche Regierung, ______ ihm sonst unmöglich gewesen wäre.
7. Schurz hatte noch nie mit einem Staatsmann gesprochen,
______ so ungebunden über alle Dinge sprach.
8. Er sprach sogar über Tatsachen, ______ nur wenig bekannt waren.
9. Es gab kaum eine wichtige politische Frage, über ______ die
beiden Männer sich nicht unterhielten.
10. Nicht alles, ______ Bismarck sagte, konnte Schurz in seinem Brief
schreiben.
11. Bismarck, ______ die Deutschen gründlich kannte, war jedem weit
überlegen, mit ______ er in Kontakt kam.
12. Die Tischgäste, ______ Staunen zuerst groß war, wurden allmählich
zutraulicher.
13. Die alten und neuen Perücken, ______ man im Salon Kaffee und
Zigarren reichte, schienen sich gut zu amüsieren, und sie sprachen
begeistert mit Carl Schurz, um ______ sich ein Kreis gebildet hatte.
14. Bismarck, ______ das Komische der Situation erkannte, sagte das
sei etwas, ______ sich keiner von den beiden vor fünfzehn Jahren hätte
träumen lassen.
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| C.
Express in German.
1. During his stay in Berlin, Carl Schurz was able to speak with
Bismarck at least twice: the first time for an hour and a half, the
second time for nearly two hours.
2. Through these conversations, Schurz learned more about the German
government than he would otherwise have learned through long study.
3. Schurz had never seen a statesman who spoke with such freedom
about politics--about facts and questions, about motives and
relationships.
4. Bismarck knew the weaknesses of the Germans thoroughly, and was
far superior to all the men in his government.
5. When Carl Schurz, a former opponent of Bismarck in the Revolution
of 1848, appeared at Bismarck's house, the other dinner guests whispered
and seemed to be surprised.
6. Gradually they began to speak with him, and everyone had a good
time.
7. Afterwards, when the others had gone, Bismarck
remarked that neither he nor Schurz would have thought fifteen years ago
that they would ever sit together peacefully.
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| Suggestion
for oral practice: Carl Schurz und Bismarck discuss why the
Revolution of 1848, although initially successful, later lost its
popular appeal and failed to establish democracy in Germany. |
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