German Fairy Tales
~ Brüderchen
und Schwesterchen ~
Edited by
Eugene R. Moutoux
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| aufwachen
- wake up (intr.)
e Beere (-n)
- berry
e Brotkruste (-n)
- crust of bread
s Feld (-er)
- field
führen
- lead
s Gebet (-e)
- prayer
e Gestalt (-en)
- form, shape
s Gras (¨-er)
- grass
herrlich
- splendid; magnifi- cent; marvelous
hohl
- hollow
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e
Lippe (-n) - lip
menschlich - human (adj.)
e Nuß (¨-sse) - nut
e Quelle (-n) - source; spring
r Rücken (-) - back
sammeln - collect, gather
scheinen (ie, ie) - shine; seem
schlagen (ä; u, a) - hit
schleichen (i, i) - creep, slink
s Seil (-e) - rope
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e Speise (-n) - food
s Tier (-e) - animal
r Tiger (-) - tiger
r Tropfen (-) - drop (of a liquid)
übrig - left over, remaining
weich - soft (to the touch)
r Wolf (¨-e) - wolf
e Wurzel (-n) - root
zerreißen (i, -issen) - tear apart, tear to pieces
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Brüderchen nahm sein Schwesterchen an der
Hand und sprach: "Seit die Mutter tot ist, haben wir keine
gute Stunde mehr; die Stiefmutter schlägt uns alle Tage, und
wenn wir zu ihr kommen, stößt sie uns mit den Füßen fort.
Die harten Brotkrusten, die übrig bleiben, sind unsere Speise,
und dem Hündlein unter dem Tisch geht's besser: dem wirft sie
doch manchmal einen guten Bissen zu. Daß Gott erbarm, wenn das
unsere Mutter wüßte! Komm, wir wollen miteinander in die weite
Welt gehen."
Sie gingen den ganzen Tag über Wiesen,
Felder und Steine, und wenn es regnete, sprach das Schwesterchen:
"Gott und unsere Herzen, die weinen zusammen!"
Abends kamen sie in einen großen Wald und
waren so müde von Jammer, Hunger und dem langen Weg, daß sie
sich in einen hohlen Baum setzten und einschliefen.
Am andern Morgen, als sie aufwachten, stand die Sonne schon
hoch am Himmel und schien heiß in den Baum hinein. Da sprach
das Brüderchen: "Schwesterchen, mich dürstet. Wenn ich
ein Brünnlein wüßte, ich ging' und tränk' einmal; ich mein',
ich hört' eins rauschen."
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Seit die Mutter
tot ist: Since Mother
has been dead / alle Tage: every day
/dem wirft sie zu: she
throws (to) it / Bissen: morsel
/ Daß Gott erbarm: May God
have mercy / wir wollen: let's / weit: wide
/ Jammer: misery
/ Am andern Morgen: the next
morning / da: then
/ mich dürstet: I'm thirsty
/ Brünnlein = kleiner
Brunnen
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| Brüderchen
stand auf, nahm Schwesterchen an der Hand, und sie wollten das
Brünnlein suchen. Die böse Stiefmutter aber war eine Hexe und
hatte wohl gesehen, wie die beiden Kinder fortgegangen waren,
war ihnen nachgeschlichen, heimlich, wie die Hexen schleichen,
und hatte alle Brunnen im Wald verwünscht. Als sie nun ein Brünnlein
fanden, das so glitzerig über die Steine sprang, wollte das Brüderchen
daraus trinken. Aber das Schwesterchen hörte, wie es im
Rauschen sprach: "Wer aus mir trinkt, wird ein Tiger, wer
aus mir trinkt, wird ein Tiger."
Da rief das Schwesterchen: "Ich bitte
dich, Brüderchen, trink nicht, sonst wirst du ein wildes Tier
und zerreißt mich."
Das Brüderchen trank nicht, ob er gleich so großen Durst
hatte, und sprach: "Ich will warten bis zur nächsten
Quelle."
Als sie zum zweiten Brünnlein kamen, hörte
das Schwesterchen, wie auch dieses sprach: "Wer aus mir
trinkt, wird ein Wolf, wer aus mir trinkt, wird ein Wolf!"
Da rief das Schwesterchen: "Brüderchen, ich bitte dich,
trink nicht, sonst wirst du ein Wolf und frißt mich."
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wohl:
no doubt / war ihnen
/ nachgeschlichen: had
crept after them / glitzerig: glittering
/ im Rauschen: while
rushing / wer: whoever
/ sonst: otherwise
/ ob er gleich = obgleich
er: although he
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Das Brüderchen trank nicht, und sprach:
"Ich will warten, bis wir zur nächsten Quelle kommen, aber
dann muß ich trinken, du magst sagen, was du willst. Mein Durst
ist zu groß."
Und als sie zum dritten Brünnlein kamen, hörte
das Schwesterchen, wie es im Rauschen sprach: "Wer aus mir
trinkt, wird ein Reh, wer aus mir trinkt, wird ein Reh."
Das Schwesterchen sprach: Ach Brüderchen,
ich bitte dich, trink nicht, sonst wirst du ein Reh und läufst
mir fort." Aber das Brüderchen hatte sich gleich beim Brünnlein
niedergekniet, hinabgebeugt und von dem Wasser getrunken, und
wie die ersten Tropfen auf seine Lippen gekommen waren, lag er
da als ein Rehkälbchen.
Nun weinte das Schwesterchen über das arme verwünschte Brüderchen,
und das Rehchen weinte auch und saß so traurig neben ihr. Da
sprach das Mädchen endlich: "Sei still, liebes Rehchen,
ich will dich ja nimmermehr verlassen."
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du magst sagen:
you can
say / läufst mir fort: will
run away from me / hatte niedergekniet,
hinabgebeugt:
had knelt
down, bent down / Rehkälbchen: little
fawn / nimmermehr = niemals
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Dann band
sie ihr goldenes Strumpfband ab und tat es dem Rehchen um den
Hals, und rupfte Binsen
und flocht ein weiches Seil daraus. Daran band sie das Tierchen
und führte es weiter, und ging immer tiefer in den Wald hinein.
Und als sie lange gegangen waren, kamen sie endlich an ein
kleines Haus, und das Mädchen schaute hinein, und weil es leer
war, dachte sie: "Hier können wir bleiben und
wohnen."
Da suchte sie dem Rehchen Laub und Moos zu
einem weichen Lager, und jeden Morgen ging sie aus und sammelte
sich Wurzeln, Beeren und Nüsse, und für das Rehchen brachte
sie zartes Gras mit. Das fraß es ihr aus der Hand, war vergnügt
und spielte vor ihr herum. Abends, wenn Schwesterchen müde war
und ihr Gebet gesagt hatte, legte sie ihren Kopf auf den Rücken
des Rehkälbchens. Das war ihr Kissen, worauf sie sanft
einschlief. Und hätte das Brüderchen nur seine menschliche
Gestalt gehabt, es wäre ein herrliches Leben gewesen.
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band ab:
untied / Strumpfband: garter
/ tat: put
/ rupfte: plucked
/ Binsen:
reeds / flocht: wove
/ führte es weiter: led
it on / immer tiefer: deeper and
deeper / Laub und Moos: leaves
and moss / Lager: bed /
Zart: tender / vergnügt: content
/ vor ihr herum: round
about in front of her / Gebet: prayer
/ worauf: on which /
sanft:
gently / Und hätte das Brüderchen...:
(unreal conditional sentence in past time)
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| Beantworten Sie die
folgenden Fragen!
1.Warum gingen die beiden Kinder in die weite Welt
2. Was sagten die Kinder, wenn es
regnete?
3. Wo schliefen sie am ersten
Abend?
4. Warum suchte Brüderchen einen
Brunnen?
5. Was hatte die böse Stiefmutter
getan?
6. Was wäre geschehen, wenn Brüderchen aus dem
ersten Brunnen getrunken hätte?
7. Warum trank der Junge auch nicht aus dem zweiten
Brunnen? 8. In was für ein Tier wurde der Junge verwandelt, als
er aus dem dritten Brunnen trank?
9. Warum weinte
Schwesterchen?
10. Was band sie ihm um den
Hals?
11. Was machte sie aus
Binsen?
12. Wohin kamen die Kinder, nachdem sie lange im Wald
gegangen waren?
13. Wie machten sie sich am ersten Abend
bequem?
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| abwaschen
(ä; u, a) - wash off
am andern Morgen - on the next morning
ansehen (ie; a, e) - look at
aushalten (hält aus; ie, a) - stand, endure
binden (a, u) - tie
bitten (bat, gebeten) - ask, request
blasen (ä; ie, a) - blow
einholen - bring in; overtake
fröhlich - merry, happy
gesund
- healthy
|
hinken - limp
s Halsband (¨-er) - necklace
s Haupt (¨-er) - head; chief, leader
s Horn (¨-er) - horn
r Jäger (-) - hunter
kriegen
- get
lustig - merry; funny
nachjagen
(w/ dat.) - chase
öffnen - open
|
reichen
- reach; pass, hand
r
Schuh (-e) - shoe
spüren
- feel, perceive
untergehen (ging unter, untergegangen)
- go down, set
(sun)
verwunden
- wound
e Wunde (-n)
- wound
eine Zeitlang
- for some time
zutragen (ä; u, a): es trug sich zu
- it happened
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Das dauerte so eine Zeitlang, daß sie so
allein in der Wildnis waren. Es trug sich aber zu, daß der König
des Landes eine große Jagd in dem Wald hielt. Da schallte das Hörnerblasen,
Hundegebell und das lustige Geschrei der Jäger durch die Bäume,
und das Rehchen hörte es und wäre gar zu gerne dabei gewesen.
"Ach", sprach es zum Schwesterchen, "laß mich
hinaus in die Jagd, ich kann's nicht länger mehr
aushalten", und bat so lange, bis sie einwilligte.
"Aber", sprach sie zu ihm,
"komm mir ja abends wieder, vor den wilden Jägern schließ'
ich mein Türlein; und damit ich dich kenne, so klopf und
sprich: ‘Mein Schwesterchen, laß mich herein’; und wenn du
nicht so sprichst, so schließ' ich mein Türlein nicht
auf."
Nun sprang das Rehchen hinaus, und es war ihm
so wohl, und das Rehchen war so lustig in freier Luft. Der König
und seine Jäger sahen das schöne Tier und setzten ihm nach,
aber sie konnten es nicht einholen. Und wenn sie meinten, sie hätten
es gewiß, da sprang es über das Gebüsch weg und war
verschwunden. Als es dunkel wurde, lief es zu dem Häuschen,
klopfte und sprach: "Mein Schwesterlein, laß mich
herein." Da wurde ihm die kleine Tür aufgetan, es sprang
hinein und ruhte sich die ganze Nacht auf seinem weichen Lager
aus.
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Wildnis: wilderness
/ schallte: sounded
/ Hundegebell: barking of
dogs / Geschrei: screaming
/ wäre...dabei gewesen:
would have liked all too much to be there / nicht länger mehr = länger
nicht / einwilligte: agreed
/ es war ihm so wohl: he
felt so good / setzten ihm nach:
rode after him / Gebüsch: underbrush
/ ruhte sich aus: rested
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Am andern Morgen ging die Jagd von neuem an,
und als das Rehchen wieder das Hifthorn hörte und das ho, ho!
der Jäger, da hatte es keine Ruhe und sprach:
"Schwesterchen, mach mir auf, ich muß hinaus."
Das Schwesterchen öffnete ihm die Tür und
sprach: "Aber zu Abend mußt du wieder da sein und dein Sprüchlein
sagen."
Als der König und seine Jäger das Rehlein
mit dem goldenen Halsband wieder sahen, jagten sie ihm alle
nach, aber es war ihnen zu schnell und behend. Das währte den
ganzen Tag, endlich aber hatten es die Jäger abends umzingelt,
und einer verwundete es ein wenig am Fuß, so daß es hinken mußte
und langsam fortlief. Da schlich ihm ein Jäger nach bis zu dem
Häuschen und hörte, wie es rief: "Mein Schwesterlein, las
mich herein", und sah, daß die Tür ihm aufgetan und
alsbald wieder zugeschlossen wurde.
Der Jäger behielt das alles wohl im Sinn,
ging zum König und erzählte ihm, was er gesehen und gehört
hatte. Da sprach der König: "Morgen soll noch einmal
gejagt werden."
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von neuem: again
/ ging an: began
/ Hifthorn = Hiefhorn:
hunting horn / Sprüchlein: little
verse / behend: nimble
/ währte: lasted
/ umzingelt: surrounded
/ alsbald: right away
/ behielt im Sinn: kept in
mind / soll...gejagt werden:
(impersonal passive, no subject) we will go hunting again
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Das Schwesterchen aber erschrak gewaltig, wie
sie sah, daß ihr Rehkälbchen verwundet war. Sie wusch ihm das
Blut ab, legte Kräuter auf und sprach: "Geh auf dein
Lager, liebes Rehchen, daß du wieder heil wirst."
Die Wunde aber war so gering, daß das
Rehchen am Morgen nichts mehr davon spürte. Und als es die
Jagdlust wieder draußen hörte, sprach es: "Ich kann's
nicht aushalten, ich muß dabei sein; so bald soll mich keiner
kriegen."
Das Schwesterchen weinte und sprach:
"Nun werden sie dich töten, und ich bin hier allein im
Wald und bin verlassen von aller Welt. Ich lass' dich nicht
hinaus."
"So sterb ich dir hier vor Betrübnis",
antwortete das Rehchen. "Wenn ich das Hifthorn höre, so
mein' ich, ich müßt' aus den Schuhen springen!"
Da konnte das Schwesterchen nicht anders und
schloß ihm mit schwerem Herzen die Tür auf, und das Rehchen
sprang gesund und fröhlich in den Wald. Als es der König
erblickte, sprach er zu seinen Jägern: "Nun jagt ihm nach
den ganzen Tag bis in die Nacht, aber daß ihm keiner etwas
zuleide tut."
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gewaltig: intensely
/ Kräuter: herbs
/ heil: healed, well
/ gering: small,
insignificant / Jagdlust: pleasure of
the chase / Betrübnis: sorrow
/ konnte nicht anders: had
no choice / daß ihm...zuleide tut:
let no one harm him
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Sobald die Sonne untergegangen war, sprach
der König zum Jäger: "Nun komm und zeige mir das Waldhäuschen."
Und als er vor dem Türlein war, klopfte er
an und rief: "Liebes Schwesterlein, laß mich herein."
Da ging die Tür auf, und der König trat herein, und da stand
ein Mädchen, das so schön war, wie er noch keins gesehen
hatte.
Das Mädchen erschrak, als sie sah, daß
nicht das Rehchen, sondern ein Mann hereinkam, der eine goldene
Krone auf dem Haupt hatte. Aber der König sah sie freundlich
an, reichte ihr die Hand und sprach: "Willst du mit mir
gehen auf mein Schloß und meine liebe Frau sein?"
"Ach ja", antwortete das Mädchen,
"aber das Rehchen muß auch mit, das verlass' ich
nicht."
Der König sprach: "Es soll bei dir
bleiben, so lange du lebst, und es soll ihm an nichts
fehlen."
Indem kam es hereingesprungen. Da band es das Schwesterchen
wieder an das Binsenseil, nahm es selbst in die Hand und ging
mit ihm aus dem Waldhäuschen fort.
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klopfte an:
knocked / das so schön...: that
was prettier than any he had ever seen
/ reichte ihr die Hand: offered
her his hand / es soll ihm an nichts
fehlen: it shall want for nothing / indem = indessen: at
that moment
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| Beantworten Sie die
folgenden Fragen!
1. Was störte die Ruhe von Schwesterchen und dem
Rehchen?
2. Was wollte das Rehchen unbedingt
tun?
3. Warum schloß Schwesterchen ihre
Tür?
4. Was mußte das Rehchen tun, um wieder ins Haus
hereinkommen zu können?
5. Wie erging es dem Rehchen am ersten Tag draußen
im Wald?
6. Ging es dem Rehchen am zweiten Tag so gut
wie
am ersten Tag?
7. Wie erfuhr ein Jäger, wohin das Rehchen am Abend
ging?
8. Was tat Schwesterchen für die Wunde des
Rehchens?
9. Wohin ging das Rehchen am andern
Morgen?
10. Was befahl der König seinen
Jägern?
11. Wie geschah es, daß der König statt des
Rehchens ins Haus eintrat?
12. Was hatte der König auf dem
Kopf?
12. Was fragte der König?
|
| abschließen
(o, -ossen) - lock
annehmen (nimmt; a, genommen) - accept; assume
s Ansehen - appearance
s Bad (¨-er) - bath
fertig - finished; ready
frisch - fresh
|
r
Gedanke (-ns, -n) - thought
geschwind - quickly
s Glück - luck;
happiness häßlich
- ugly
e Haube (-n) - bonnet
herzlich -
cordial(ly)
r Neid - envy, jealousy
|
recht
- right; legitimate
e Seite (-n) - side
vergnügt - delighted, joyous
r Vorhang (¨-e) - curtain
e Wanne (-n) - tub
wohltun (tat wohl, wohl- getan) - do...good (w/
dat.)
|
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|
Der König nahm das schöne Mädchen auf sein
Pferd und führte sie in sein Schloß, wo die Hochzeit mit großer
Pracht gefeiert wurde. Sie war nun die Frau Königin, und König
und Königin lebten lange Zeit vergnügt zusammen. Das Rehchen
wurde gehegt und gepflegt und sprang in dem Schloßgarten herum.
Die böse Stiefmutter aber, um derentwillen
die Kinder in die Welt hineingegangen waren, die meinte nicht
anders, als Schwesterchen wäre von den wilden Tieren im Walde
zerrissen worden und Brüderchen als ein Rehkalb von den Jägern
totgeschossen. Als sie nun hörte, daß sie so glücklich waren
und es ihnen so wohl ging, da wurden Neid und Mißgunst in ihrem
Herzen rege und ließen ihr keine Ruhe, und sie hatte keine
andern Gedanken, als wie sie die beiden doch noch ins Unglück
bringen könnte. Ihre rechte Tochter, die häßlich war wie die
Nacht und nur ein Auge hatte, machte
ihr Vorwürfe und sprach: "Eine Königin zu werden, das Glück
hätte mir gebührt."
|
Pracht: splendor
/ gehegt und gepflegt:
cared for / um derentwillen: on
account of whom (cf. Lcal Note on next page)
/ meinte nicht anders als:
was certain that / wäre zerrissen worden: (past
subjunctive II, passive) / Mißgunst: ill-will
/ wurden rege: were
stirred up / machte ihr Vorwürfe:
reproached her / das Glück hätte mir gebührt:
that good fortune should have belonged to me
|
|
"Sei nur still", sagte die Alte und
sprach sie zufrieden, "wenn's Zeit ist, will ich schon bei
der Hand sein."
Als nun die Zeit herangerückt war, und die Königin ein schönes
Knäblein zur Welt gebracht hatte, und der König gerade auf der
Jagd war, nahm die alte Hexe
die Gestalt der Kammerfrau an, trat in die Stube, wo die Königin
lag, und sprach zu der Kranken: "Kommt, das Bad ist fertig.
Das wird Euch wohltun und frische Kräfte geben. Geschwind, eh
es kalt wird."
Ihre Tochter war auch bei der Hand. Sie
trugen die schwache Königin in die Badstube und legten sie in
die Wanne. Dann schlossen sie die Tür ab und liefen davon. In
der Badstube aber hatten sie ein rechtes Höllenfeuer angemacht,
daß die schöne junge Königin bald ersticken mußte.
|
sprach sie zufrieden:
comforted her by saying / bei der Hand: at hand
/ herangerückt war: had
approached / Knäblein = kleiner
Knabe: kleiner Junge / Kammerfrau:
lady's maid / Höllenfeuer: hell fire hatte
/ angemacht: had lit
|
| Als das vollbracht
war, nahm die Alte ihre Tochter, setzte ihr eine Haube auf, und
legte sie ins Bett an der Königin Stelle. Sie gab ihr auch die
Gestalt und das Ansehen der Königin, nur das verlorene Auge
konnte sie ihr nicht wiedergeben. Damit es aber der König nicht
merkte, mußte sie sich auf die Seite legen, wo sie kein Auge
hatte. Am Abend, als er hereinkam und hörte, daß ihm ein Söhnlein
geboren war, freute er sich herzlich, und wollte ans Bett seiner
lieben Frau gehen und sehen, was sie machte. Da rief die Alte
geschwind: "Beileibe, laßt die Vorhänge zu, die Königin
darf noch nicht ins Licht sehen und muß Ruhe haben." Der König
ging zurück und wußte nicht, daß eine falsche Königin im
Bette lag. |
vollbracht war: had
been accomplished / an...Stelle: in
the place of / beileibe: by no means
/ laßt...zu: let the
curtains closed
|
|
| Beantworten Sie die
folgenden Fragen!
1. Was für ein Leben hatten der König und die neue
Königin zusammen?
2. Was hatte die böse Stiefmutter vom Schicksal der
beiden Kinder im Walde gemeint?
3. Was für Gefühle lebten in ihr wieder auf, als
sie hörte, daß die Kinder nicht nur noch am Leben sondern auch glücklich
waren?
4. Wie sah die rechte Tochter von der Stiefmutter
aus?
5. Was warf diese Tochter ihrer Mutter
vor?
6. Bei welcher Gelegenheit schlich die Stiefmutter
ins Schloß?
7. Was für eine Gestalt nahm die alte Hexe an?
8. Was sagte sie der
Königin?
9. Wer half der Hexe, Schwesterchen in die Badewanne
zu legen?
10. Warum liefen die beiden dann
davon? ___
11. Was gab die Stiefmutter ihrer rechten
Tochter?
12. Was konnte sie ihr nicht
geben?
13. Was mußte die Tochter wegen des fehlenden Auges
tun?
14. Was sagte die Alte dem
König?
15. Was wußte der König
nicht?
|
| e
Asche (-n) - ash, ashes
aufgehen (ging auf, aufgegangen) - rise; open
(intr.)
erhalten (ä; ie, a) - receive, get
erscheinen (ie, ie) - appear
s Gericht (-e) - court (of justice)
sich getrauen - dare
gewöhnlich - usual(ly); ordinary
(-ily)
|
jammervoll
- wretched(ly); piteous(ly)
e Kinderfrau (-en) -
nurse, nursemaid
s Kinn (-e) - chin
e Mitternacht (¨-e) - midnight
reden - talk
schütteln - shake
|
streicheln
- stroke, pet
s Urteil (-e) - judgment
verfließen (o, -ossen) - flow away; elapse
wachen - be awake; watch
e Wiege (-n) - cradle
zurückhalten (hält zurück; ie, a) - hold back
|
|
|
Als es aber Mitternacht war und alles
schlief, da sah die Kinderfrau, die in der Kinderstube neben der
Wiege saß und allein noch wachte, wie die Tür aufging, und die
rechte Königin hereintrat. Sie nahm das Kind aus der Wiege,
legte es in ihren Arm und gab ihm zu trinken. Dann schüttelte
sie ihm sein Kinnchen, legte es wieder hinein und deckte es mit
dem Deckbettchen zu. Sie vergaß aber auch das Rehchen nicht,
ging in die Ecke, wo es lag, und streichelte ihm über den Rücken.
Darauf ging sie ganz stillschweigend wieder zur Tür hinaus, und
die Kinderfrau fragte am andern Morgen die Wächter, ob jemand während
der Nacht ins Schloß gegangen wäre, aber sie antworteten:
"Nein, wir haben niemand gesehen."
So kam sie viele Nächte und sprach niemals
ein Wort dabei. Die Kinderfrau sah sie immer, aber sie getraute
sich nicht, jemand etwas davon zu sagen.
Als nun so eine Zeit verflossen war, da hob
die Königin in der Nacht an zu reden und sprach:
"Was macht mein Kind, was macht mein Reh?
Nun komm' ich noch zweimal und dann
nimmermehr."
|
Kinderstube:
nursery / hereintrat:
entere / Deckbettchen:
little feather bed / tillschweigend:
silently / Wächter:
guards / hob an: began
/ nimmermehr: never
again
|
|
Die Kinderfrau antwortete ihr nicht, aber als
sie wieder verschwunden war, ging sie zum König und erzählte
ihm alles. Der König sprach: "Ach Gott, was ist das! Ich
will in der nächsten Nacht bei dem Kinde wachen."
Abends ging er in die Kinderstube, aber um
Mitternacht erschien die Königin wieder und sprach:
"Was macht mein Kind, was macht mein
Reh?
Nun komm' ich noch einmal und dann
nimmermehr."
Und sie pflegte dann des Kindes, wie sie gewöhnlich
tat, ehe sie verschwand. Der König getraute sich nicht, sie
anzureden, aber er wachte auch in der folgenden Nacht. Sie
sprach abermals:
"Was macht mein Kind? Was macht mein
Reh?
Nun komm' ich noch diesmal und dann
nimmermehr."
|
pflegte des Kindes =
pflegte das Kind: attended to the child / sie anzureden: to
address her / folgend: following
/ abermals: again
|
|
Da konnte sich der König nicht zurückhalten,
sprang zu ihr und sprach: "Du kannst niemand anders sein
als meine liebe Frau."
Da antwortete sie: "Ja, ich bin deine liebe Frau",
und hatte in dem Augenblick durch Gottes Gnade das Belen
wiedererhalten, war frisch, rot und gesund. Darauf erzählte sie
dem König den Frevel, den die böse Hexe und ihre Tochter an
ihr verübt hatten. Der König ließ beide vor Gericht führen,
und es wurde ihnen das Urteil gesprochen. Die Tochter wurde in
den Wald geführt, wo sie die wilden Tiere zerrissen, die Hexe
aber wurde ins Feuer gelegt und mußte jammervoll verbrennen.
Und wie sie zu Asche verbrannt war, verwandelte sich das Rehkälbchen
und erhielt seine menschliche Gestalt wieder; Schwesterchen und
Brüderchen aber lebten glücklich bis an ihr Ende.
|
anders: else
/ Frevel: outrage
/ an ihr verübt hatte:
had perpetrated against her
|
|
| Beantworten Sie die
folgenden Fragen!
1. Was machte die rechte Frau, als sie um Mitternacht
in die Kinderstube eintrat?
2. Was fragte die Kinderfrau am andern Morgen die
Wächter?
3. Kam die Königin nur ein paar Mal?
4. Warum sagte die Kinderfrau niemandem etwas
davon?
5. Was machte die Kinderfrau, nachdem die Königin
gesagt hatte, sie komme nur noch zweimal?
6. Was machte der König dann in der nächsten
Nacht?
7. Was sagte er ihr bei dieser
Gelegenheit?
8. Was erwiderte der König, als seine Frau gesagt
hatte, sie komme niemals wieder?
9. Wie antwortete die
Königin?
10. Was geschah in diesem Augenblick der Königin,
die doch damals in der Hitze der Badewanne erstickt war?11. Was erzählte
sie dem König?
12. Wohin ließ der König die Stiefmutter und ihre
Tochter führen?
13. Wie starben die Tochter und die
Hexe?
14. Wie wurde das Rehchen verwandelt, als die Hexe
starb?
Kurze Aufsätze
Welche Motive
der drei vorangehenden Märchen finden Sie in diesem Märchen wieder?
Welche Motive sind hier neu?
Wie würde der
König das Ende der Geschichte erzählen?
|
|
Getting
with Grammar
|
In form, the
German relative pronoun
resembles closely the definite article. Here are the forms of the
relative pronoun:
| |
masc. |
fem. |
neut. |
plur. |
| nom. |
der |
die |
das |
die |
| acc. |
den |
die |
das |
die |
| dat. |
dem |
der |
dem |
denen |
| gen. |
dessen |
deren |
dessen |
deren |
|
|
Contrary Contractions
An apostrophe
replaces the missing e in contractions like kann's, ich's,
and war's, but not in prepositional contractions like übers,
ins, and ans. When the final e of a first-person
singular verb form is dropped, it is replaced by an apostrophe.
* * * * *
Here are some of the prepositions
that take genitive objects:
(an)statt
- instead of
außerhalb
- outside
diesseits
- on this side of
innerhalb
- inside
jenseits
- on that side of
trotz
- despite
während
- during
wegen
- because of
The genitive case is also used to show possession
and belonging to. Examples:
das Auto meines Vaters
(my father's car),
das Ende der Brücke
(the end of the bridge). Von (w/
dat.) is often used instead of the genitive to show possession.
* * * * *
Dieser and jeder
are declined as follows:
| |
masc. |
fem. |
neut. |
plur. |
| nom. |
dieser |
diese |
dieses |
diese |
| acc. |
diesen |
diese |
dieses |
diese |
| dat. |
diesem |
dieser |
diesem |
diesen |
| gen. |
dieses |
dieser |
dieses |
dieser |
| |
|
|
|
|
| nom. |
jeder |
jede |
jedes |
|
| acc. |
jeden |
jede |
jedes |
|
| dat. |
jedem |
jeder |
jedem |
|
| gen. |
jedes |
jeder |
jedes |
|
|
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